Die Varroamilbe

Klein, rotbraun und der größte Feind der Honigbiene. Das steckt dahinter und das tut der Imker dagegen.

Wer ist die Varroamilbe?

Die Varroamilbe (Varroa destructor) ist ein winziger Parasit, etwa so groß wie ein Stecknadelkopf, rotbraun und flach. Ursprünglich lebt sie auf der Östlichen Honigbiene in Asien und kommt mit ihr gut zurecht. In Europa wurde sie erstmals 1967 in Bulgarien gefunden, in Deutschland 1977. Unsere Westliche Honigbiene hat dagegen kaum natürliche Abwehr.

Die Milbe sitzt auf erwachsenen Bienen und saugt an ihnen. Vermehren kann sie sich nur in der verdeckelten Brut: Dort legt das Weibchen seine Eier in die Brutzelle, und die Jungmilben wachsen mit der jungen Biene heran.

Warum ist sie ein Problem für die Bienen?

  • Sie saugt an den Bienen. Die Milbe frisst am Fettkörper der Biene, einem wichtigen Speicher- und Stoffwechselorgan. Befallene Bienen sind geschwächt, leben kürzer und finden schlechter zurück in den Stock. Als Larve befallene Bienen schlüpfen kleiner und leichter.
  • Sie überträgt Viren. Das bekannteste ist das Flügeldeformationsvirus. Es führt zu verkrüppelten Flügeln, solche Bienen können nicht fliegen und sind für das Volk verloren.
  • Sie schwächt die Abwehr. Dadurch haben auch andere Krankheitserreger leichtes Spiel.
  • Sie vermehrt sich schnell. Mit jedem Brutzyklus wächst die Zahl der Milben. Anfangs fällt das kaum auf, im Spätsommer kann es plötzlich kippen.

Kurz gesagt

Ohne Gegenmaßnahmen geht ein Bienenvolk bei uns meist innerhalb weniger Jahre ein. Die Varroamilbe gilt in Deutschland als eine der Hauptursachen für Völkerverluste im Winter. Imkerinnen und Imker kontrollieren deshalb den Milbenbefall regelmäßig und behandeln ihre Völker zu festen Zeiten im Jahr.

Warum ist der Spätsommer so wichtig?

Im Spätsommer entstehen die Winterbienen. Sie leben deutlich länger als die Sommerbienen und müssen das Volk durch die kalte Jahreszeit bringen. Sind sie zu stark von Milben belastet, kommt das Volk geschwächt oder gar nicht durch den Winter. Deshalb beginnt die Behandlung bei SaarBiene direkt nach der letzten Honigernte, im Juli oder August. Die Honigräume sind dann längst abgenommen.

So macht es SaarBiene

Im Sommer

Direkt nach der Honigernte kommt der Liebig-Dispenser in die Beute. Das ist ein Verdunster, der Ameisensäure (60 %) langsam über mehrere Tage abgibt. Die Dämpfe wirken im ganzen Stock, auch unter den Deckeln der Brutzellen, wo die Milben sich verstecken. Das klappt am besten bei warmem Wetter. Die Verdunstungsmenge lässt sich ablesen.

Im Winter

Zwischen November und Januar ist das Volk meist brutfrei, alle Milben sitzen dann auf den Bienen. Jetzt folgt die Oxalsäure-Sublimation: Die Säure wird erhitzt und verdampft, der feine Dampf schlägt sich auf den Bienen nieder. Dabei trägt der Imker Atemschutz. Das Volk wird kaum gestört, die Beute bleibt zu.

Dazwischen

Der natürliche Milbenfall auf der Beutenunterlage zeigt, wie stark ein Volk belastet ist. Nach jeder Behandlung wird noch einmal gezählt. Erst dann weiß der Imker, ob es gereicht hat.

Welche anderen Verfahren gibt es?

Es gibt nicht den einen Weg. Welche Methode passt, hängt vom Zeitpunkt im Jahr, vom Volk und von der Betriebsweise ab. Oft werden mehrere kombiniert.

  • Drohnenbrut entnehmen. Milben bevorzugen die größeren Drohnenzellen. Ein Rahmen mit Drohnenbrut wird kurz vor dem Schlüpfen herausgeschnitten, samt der Milben darin. Das senkt den Befall, reicht aber allein nicht aus.
  • Brutentnahme und Fangwabe. Wer dem Volk die verdeckelte Brut nimmt, nimmt auch die Milben. Eine Fangwabe lockt die Milben gezielt in eine Brutwabe, die danach entfernt wird. Das geht ohne Säuren, ist aber aufwendig.
  • Wärme (Hyperthermie). Verdeckelte Brut wird gezielt überwärmt. Die Milben vertragen Hitze schlechter als die jungen Bienen. Das Verfahren erfordert sehr genaue Temperatursteuerung.
  • Oxalsäure träufeln oder sprühen. Die Lösung wird auf die Bienen aufgebracht, ebenfalls im brutfreien Volk, zum Beispiel im Winter oder nach der Ablegerbildung.
  • Milchsäure. Die bienenbesetzten Waben werden mit einer Lösung besprüht. Sie kommt bei brutfreien Völkern vor allem im Spätherbst und Winter zum Einsatz, ergänzend zur Oxalsäure.
  • Thymol. Der Wirkstoff aus dem Thymian wird von den Bienen gut vertragen, wirkt aber langsam, über mehrere Wochen.
  • Zucht auf Varroa-Toleranz. Manche Bienenlinien erkennen befallene Brut und räumen sie aus oder beißen Milben ab. Das gilt als aussichtsreichster Weg auf lange Sicht, ist aber noch kein Ersatz für die Behandlung.

Eingesetzt werden nur Mittel, die für die Anwendung bei Bienen zugelassen sind, und nur nach Anleitung.

Was du als Nachbar oder Gartenfreund tun kannst

  • Füttere Bienen nie mit Honig aus dem Supermarkt. Importhonig kann Sporen von Bienenkrankheiten enthalten. Bienen finden im Garten genug eigenes Futter.
  • Kaufe Honig von Imkern aus deiner Gegend. Wer sich um seine Völker kümmert, hat dafür Zeit, Material und Kosten.

Diese Seite beschreibt allgemein, wie Imker mit der Varroamilbe umgehen. Sie ersetzt keine Anleitung zur Behandlung. Wer selbst Bienen hält, lässt sich vom Imkerverein oder vom Bieneninstitut beraten.